Geburt und Hausgeburt
Frauen entscheiden selber, wo ihre Babies zur Welt kommen.
Wenn die Schwangerschaft normal verläuft, hat man die Wahl zwischen Geburt im Krankenhaus, einem Geburtshaus oder einer Hausgeburt.
Wenn ihr über den Geburtsort nachdenkt, überlegt, was euch wichtig ist. Was sind eure Wünsche? Welche Vorstellungen habt ihr von Geburt? Was sind eure Bedürfnisse? Was ist euch besonders wichtig und was möchtet ihr unbedingt vermeiden?
Wahrscheinlich gibt es für euch mehrere Krankenhäuser zur Auswahl. Unabhängig davon, ob ihr eine Krankenhausgeburt oder eine Hausgeburt plant, ist es hilfreich, sich mit den Gegebenheiten in den einzelnen Kliniken vertraut zu machen.
@Hausgeburtseltern: Zum einen kann es sein, dass man doch die Hilfe eines Krankenhauses braucht, zum anderen entlastet es sehr, wenn man feststellt, dass in der Wunschklinik freundliche und kompetente Hebammen arbeiten und die Kreißzimmer gar nicht mehr so aussehen, wie man es sich vielleicht vorgestellt hat :)
Alle Krankenhäuser bieten Informationsabende, an denen man den Kreißsaal besichtigen und Fragen stellen kann zu Themen, die einem wichtig sind.
Wissenschaftliche Untersuchungen der vergangenen Jahre haben gezeigt, dass gesunde Frauen, die zu Hause gebären, genauso gut aufgehoben und versorgt sind wie jene, die sich für ein Krankenhaus entscheiden. Auch die WHO vertritt den Standpunkt, dass eine Krankenhausgeburt nach einer normalen Schwangerschaft nicht sicherer ist als eine Hausgeburt – und andersrum.
„Geburt ist keine Krankheit“ – Auszug aus den Empfehlungen der WHO
- Die gesamte Öffentlichkeit soll über die verschiedenen Verfahren der Geburtshilfe informiert sein, damit es jeder Frau möglich ist, die für sie richtige Art und Weise der Geburtshilfe zu finden.
- Die Betreuung einer normalen Schwangerschaft, bei der Geburt und im Wochenbett gehört zum Aufgabenbereich der Hebammen und der angrenzenden Berufe.
- Alle Krankenhäuser sollen den schwangeren Frauen Informationen über die von ihnen praktizierte Geburtshilfe (z. B. die Höhe ihrer Kaiserschnittrate) frei zugänglich machen.
- Es gibt keinerlei Rechtfertigung für eine Kaiserschnittrate über 10 bis 15 Prozent.
- Einmal Kaiserschnitt muss nicht für alle folgenden Geburten auch Kaiserschnitt bedeuten.
- Es gibt keine Beweise dafür, dass die routinemäßige elektronische Dauerüberwachung der kindlichen Herztöne einen positiven Einfluss auf den Ausgang der Geburt hat.
- Während der Wehentätigkeit sollen schwangere Frauen nicht auf dem Rücken liegen. Sie sollen angeregt werden, während der Wehen herumzugehen und sich frei zu entscheiden, in welcher Position sie gebären möchten.
- Routinemäßige Dammschnitte sind nicht zu rechtfertigen.
- Geburtseinleitungen sollen nicht aus Bequemlichkeit stattfinden. Verabreichung von Wehenmitteln soll nur nach strenger medizinischer Indikation erfolgen.
- Schmerzstillende und betäubende Medikamente sollen nicht routinemäßig, sondern nur zur Behandlung oder Verhütung einer Geburtskomplikation eingesetzt werden.
- Für eine frühzeitige Eröffnung der Fruchtblase als Routineeingriff gibt es keine wissenschaftliche Begründung.
- Das Neugeborene gehört zu seiner Mutter, wenn es der Zustand von beiden erlaubt. Die Beobachtung des Kindes rechtfertigt nicht die Trennung von der Mutter.
- Nach der Geburt soll der Mutter möglichst bald Gelegenheit zum Stillen gegeben werden.
- Geburtshilfliche Einrichtungen, die mit dem Einsatz von Technik kritisch umgehen und emotionale, psychische und soziale Aspekte in den Vordergrund stellen, sollen bekannt gemacht werden.
- Regierungen sollen über die Schaffung von Bestimmungen nachdenken, die den Einsatz neuer Geburtstechnologien nur nach angemessener Prüfung erlauben.
Auszug aus „Appropriate Technology for Birth“ der Weltgesundheitsorganisation WHO
Zu beziehen ist der vollständige Bericht von der WHO, Regional Office for Europe, 8 Scherfigovej, Kopenhagen, Dänemark.
Fragen & Antworten zur Hausgeburt
Wenn ihr euch für eine Hausgeburt interessiert, erzähle ich euch bei einem Kennenlerngespräch gerne mehr über Voraussetzungen, Vor- und Nachteile und Abläufe. Hier einige der am häufigsten gestellten Fragen und die Antworten dazu:
Wir wohnen in einer kleinen Wohnung/einem kleinen Haus. Ist da eine Hausgeburt überhaupt möglich?
Ganz sicher. Für eine Geburt braucht man nicht viel Platz. Es ist auch nicht nötig einen besonderen Raum vorzubereiten für das anstehende Ereignis (außer natürlich man möchte das). Die Kinder suchen sich dann eh oft genug sehr überraschende Plätze für ihre Ankunft. Vielleicht das Schlafzimmer, vielleicht aber auch das Wohnzimmer oder das Bad.
Welche Geräte und Instrumente bringst du zur Geburt mit?
Viele :)
Hausgeburtseltern staunen meistens, wenn ich mit meinen vielen Taschen anrücke.
Tatsächlich brauchen tun wir dann aber meistens fast nichts. Ich bringe einen Gebärhocker mit, homöopathische Arzneien, Tees, ätherische Öle.
CTG-Gerät und Dopton (damit kann man auch in der Badewanne die Herztöne mithören), Sauerstoff und Beatmungsbeutel, Notfallmedikamente, Infusionslösungen,
Instrumente zum Abnabeln und zum Nähen.
Ich möchte diesmal vielleicht eine Wassergeburt, geht das zu Hause?
Ja. Wir werden schauen, ob eure Badewanne dafür geeignet ist. Sonst kann man sich auch eine Gebärwanne ausborgen oder kaufen (= superstabiles Planschbecken für später).
Kommt dann zur Geburt ein Arzt?
Nein, üblicherweise nicht. Nach dem Gesetz begleiten Hebammen normale Geburten ohne Anwesenheit eines Arztes. Hebammen sind aber verpflichtet bei Komplikationen einen Arzt/eine Ärztin hinzuzuziehen. In so einem Fall fahren wir ins Krankenhaus und zwar bei den ersten Anzeichen dafür, dass sich eine Komplikation entwickeln könnte.
Machst du Dammschnitte?
Grundsätzlich ja, wenn es notwendig ist. Allerdings war es bei Hausgeburten bisher noch nie nötig. Ich habe selber keine Erklärung dafür. Vielleicht weil sich die Frauen daheim viel freier bewegen und so leichter Positionen finden, in denen es ihnen und ihren Babies gut geht und sich das Dammgewebe gut dehnen kann.
Wer näht, wenn etwas gerissen ist?
Eine kleine Verletzung versorge ich selber. Für die Versorgung von größeren Verletzungen oder einem Dammschnitt würden wir in ein Krankenhaus fahren oder einen Arzt rufen.
Wie lange bleibst du nach der Geburt?
Mindestens drei bis vier Stunden. In dieser Zeit beobachte ich noch, wie es euch geht, helfe wo nötig beim Versorgen eures Kindes und bei den ersten Stillversuchen, erledige die Schreibarbeiten, befülle die Waschmaschine und freu mich mit euch über euer Baby.